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IP-Schutzarten erklärt: was die zwei Ziffern bedeuten

Aktualisiert am 2. Oktober 2026 · Redaktion mehrfachsteckdose.net

Die IP-Schutzart (International Protection, Norm DIN EN 60529) zeigt mit zwei Ziffern, wie gut ein Gerät gegen Fremdkörper und Wasser geschützt ist. Die erste Ziffer reicht von 0 bis 6 und steht für Berührungs- und Staubschutz, die zweite von 0 bis 9 für Wasserschutz. Eine normale Steckdosenleiste für innen hat IP20, für draußen brauchst du mindestens IP44.

Auf einen Blick

Erste Ziffer
Staub, 0 bis 6
Zweite Ziffer
Wasser, 0 bis 9
Innen üblich
IP20
Außen mindestens
IP44
Inhalt
  1. So liest du die IP-Schutzart
  2. Erste Ziffer: Schutz gegen Fremdkörper
  3. Zweite Ziffer: Schutz gegen Wasser
  4. Welche Schutzart wo nötig ist
  5. Sonderfall Badezimmer
  6. Typische Missverständnisse

So liest du die IP-Schutzart

Die Kennzeichnung besteht aus den Buchstaben IP und zwei Ziffern, zum Beispiel IP44. Je höher die Ziffer, desto stärker der Schutz. Für die Auswahl einer Mehrfachsteckdose für außen ist das die wichtigste Angabe auf der Verpackung.

  • Erste Ziffer: Schutz gegen das Eindringen fester Fremdkörper und gegen Berühren gefährlicher Teile.
  • Zweite Ziffer: Schutz gegen Wasser, von Tropfwasser bis zum dauerhaften Untertauchen.
  • Buchstabe X: Steht ein X statt einer Ziffer, etwa IPX4, wurde diese Eigenschaft nicht geprüft oder nicht angegeben. Das bedeutet nicht automatisch „kein Schutz“, aber du kannst dich nicht darauf verlassen.

Erste Ziffer: Schutz gegen Fremdkörper

ZifferSchutz gegenBeispiel
0kein Schutzoffene Bauteile
1Fremdkörper über 50 mmHandrücken
2Fremdkörper über 12,5 mmFinger, normale Steckdosenleiste
3Fremdkörper über 2,5 mmWerkzeug, dicke Drähte
4Fremdkörper über 1 mmdünne Drähte, kleine Teile
5staubgeschütztStaub dringt nur in unschädlicher Menge ein
6staubdichtkein Staubeintritt

Zweite Ziffer: Schutz gegen Wasser

ZifferSchutz gegenPraxis
0kein Schutznur trockene Räume
1senkrecht fallendes TropfwasserKondenstropfen von oben
2Tropfwasser bei bis zu 15° Neigungleicht schräger Einbau
3Sprühwasser bis 60° zur SenkrechtenRegen bei Windstille
4Spritzwasser aus allen RichtungenRegen, Balkon, Terrasse
5Strahlwasser aus einer DüseAbspritzen mit dem Gartenschlauch
6starkes Strahlwasserschwere See, kräftiger Wasserstrahl
7zeitweiliges Untertauchenbis 1 m Tiefe für 30 Minuten
8dauerhaftes UntertauchenBedingungen legt der Hersteller fest
9 (9K)Hochdruck- und DampfstrahlreinigungIndustrie, Fahrzeuge

Ein Detail, das oft übersehen wird: Bis Ziffer 6 schließt eine höhere Stufe die niedrigeren ein. IPX7 und IPX8 beschreiben dagegen Untertauchen und schließen Strahlwasser nicht automatisch ein. Geräte, die beides können, tragen deshalb oft zwei Angaben wie IP65/IP67.

Welche Schutzart wo nötig ist

OrtEmpfohlene SchutzartHinweis
Wohnzimmer, Büro, SchlafzimmerIP20Standard für Innenleisten
KücheIP20Abstand zu Spüle und Wasserkocher halten
Keller, Garage, WerkstattIP20 bis IP54bei Staub oder Feuchte IP44 oder IP54
Überdachte Terrasse, BalkonIP44Klappdeckel geschlossen halten
Garten, frei stehendIP44 bis IP54erhöht aufstellen
Bodennähe, PfützenrisikoIP67oder Verbindung in Schutzbox

Für Außenleisten fasst der Ratgeber Mehrfachsteckdose außen wasserdicht die Auswahl zusammen. Wofür die häufigste Außenschutzart genügt, zeigt IP44-Steckdosenleiste.

Sonderfall Badezimmer

Im Bad gelten zusätzlich die Schutzbereiche nach DIN VDE 0100-701. Bereich 0 ist das Innere von Wanne und Dusche, Bereich 1 der Raum darüber, Bereich 2 ein Streifen von 60 cm um Bereich 1. Fest installierte Geräte brauchen in Bereich 0 mindestens IPX7, in den Bereichen 1 und 2 mindestens IPX4. Wird mit Strahlwasser gereinigt, etwa in öffentlichen Bädern, ist IPX5 nötig.

Steckdosen sind in den Bereichen 0 bis 2 grundsätzlich nicht zulässig, mit wenigen Ausnahmen wie Schutzkleinspannung. Eine mobile Steckdosenleiste ändert daran nichts, auch wenn sie IP44 hat. Was im Bad erlaubt ist, steht unter Mehrfachsteckdose im Badezimmer. Neue Steckdosen plant und setzt eine Elektrofachkraft.

Schutzart ist kein Freibrief: IP44 schützt eine Leiste nicht vor einer Pfütze, und auch IP67 ersetzt keinen Fehlerstromschutzschalter. Draußen und in Feuchträumen gehört jede Steckdose an einen Stromkreis mit FI (30 mA).

Typische Missverständnisse

  • „Wasserdicht“ im Produkttitel: Ohne IP-Angabe ist das nur Werbung. Verlass dich auf die Ziffern, nicht auf den Begriff.
  • Schutzart mit offenen Deckeln: Die Angabe gilt im bestimmungsgemäßen Zustand. Offene Klappdeckel oder ungeeignete Stecker heben den Schutz auf.
  • Kabel vergessen: Das Gehäuse kann IP44 haben, das Kabel muss trotzdem für draußen taugen. Dafür ist H07RN-F die richtige Wahl, wie der Vergleich H07RN-F vs. H05VV-F zeigt.
  • Schutzart und Schutzklasse verwechselt: Die Schutzklasse beschreibt den Schutz vor elektrischem Schlag, nicht vor Wasser. Schutzklasse I nutzt den Schutzleiter, also den Schutzkontakt der Schuko-Steckdose. Schutzklasse II ist doppelt isoliert und kommt mit dem Eurostecker aus. Schutzklasse III arbeitet mit Schutzkleinspannung. Eine Leiste kann also Schutzklasse I und trotzdem nur IP20 haben.
  • Verbindungsstellen: Wo zwei Kabel zusammengesteckt werden, entsteht die schwächste Stelle. Eine Outdoor-Steckdosenbox schützt solche Übergänge.

Schnellcheck vor dem Kauf: Steht die Schutzart auf dem Gehäuse selbst und nicht nur in der Shop-Beschreibung? Seriöse Hersteller drucken sie auf Typenschild oder Gehäuse. Fehlt sie dort, behandle die Leiste wie IP20.

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Häufige Fragen

Was bedeutet IP20 bei einer Steckdosenleiste?

IP20 heißt: Schutz gegen Berühren mit dem Finger und gegen Fremdkörper über 12,5 mm, aber kein Schutz gegen Wasser. Das ist der übliche Standard für Leisten in trockenen Innenräumen.

Ist IP65 besser als IP67?

Nicht in jeder Hinsicht. IP65 schützt gegen Strahlwasser, IP67 gegen kurzes Untertauchen. Beide sind staubdicht, und nur eine Doppelangabe wie IP65/IP67 deckt beides ab.

Was heißt IPX4 auf einer Verpackung?

Das X zeigt, dass der Schutz gegen Fremdkörper nicht geprüft oder nicht angegeben wurde. Die 4 steht für Spritzwasserschutz aus allen Richtungen.

Brauche ich im Keller eine spezielle Schutzart?

In einem trockenen Keller genügt IP20. Ist der Raum feucht oder staubig, etwa als Werkstatt oder Waschkeller, ist eine Leiste mit IP44 oder IP54 die bessere Wahl.